Hochparterre: Fünf Perspektiven auf gute Akustik
Das neue Themenheft von Hochparterre versammelt fünf Beiträge rund um Raumakustik, Materialinnovation und die neue SIA-Norm 181/1. Eine Einladung zum Lesen – und zum Hinhören.
Was macht einen Raum zu einem Ort, an dem wir gerne arbeiten, essen, zuhören oder uns austauschen? Es ist nicht allein das Licht, nicht die Materialien, nicht die Proportionen. Es ist auch der Klang. Oder genauer: die Art und Weise, wie ein Raum mit Schall umgeht.
— Hochparterre Themenheft “Raum hören” mit fünf Beiträgen
Dieser Frage widmet sich unser Themenheft «Raum hören», das soeben bei Hochparterre erschienen ist. Fünf Autorinnen und Autoren beleuchten das Thema Raumakustik aus unterschiedlichen Blickwinkeln, von der Kommunikationsforschung über die Normgebung bis zur Materialgeschichte. Hier ein kurzer Überblick.
Das Hochparterre Themenheft «Raum hören» kann als Printausgabe kostenlos bestellt oder als E-Paper gelesen werden.
1: Einander zuhören
Mikael Krogerus eröffnet das Heft mit einer überraschenden Perspektive: bevor wir über Nachhallzeiten und Absorptionsgrade sprechen, sollten wir über das Zuhören selbst nachdenken. In seinem Essay schlägt er den Bogen von der babylonischen Sprachverwirrung zu drei konkreten Erkenntnissen aus der Kommunikationsforschung, die zeigen, wie Verständigung besser gelingt. Ein Text, der daran erinnert, dass gute Akustik immer im Dienst der menschlichen Begegnung steht.
→ Zum Artikel, Lesezeit: 5 Minuten
2: «Akustik ist keine exakte Wissenschaft – das macht sie so reizvoll»
Im Interview erklärt der Akustiker Clemens Kuhn-Rahloff, warum akustische Planung weit mehr ist als die Erfüllung von Normen. Er spricht über kulturelle Unterschiede beim Schallschutz, den Lombard-Effekt in Restaurants und die Frage, warum selbst leise Gespräche unsere Konzentration stören. Besonders spannend für die Planung: seine Einordnung der neuen SIA-Norm 181/1 und deren konsequenter Ansatz bei der Inklusion. Pflichtlektüre für alle, die Akustik als Gestaltungsaufgabe verstehen.
Und natürlich gefällt mir folgende Aussage besonders: «…es gibt drei klassische Massnahmen, die in den meisten Fällen sinnvoll sind: ein vorhandenes Grundgeräusch, Stellwände und eine hochabsorbierende Decke.»
→ Zum Artikel, Lesezeit: 8 Minuten
3: So wird die neue SIA-Norm 181/1 angewendet
Seit dem 1. Februar 2026 gilt die SIA-Norm 181/1 für Raumakustik. Sie stellt erstmals Inklusion ins Zentrum und macht «Design for All» zum Standard. Unsere Infografik zeigt in vier Schritten, wie sich die Norm mit hochabsorbierenden Akustikdecken pragmatisch umsetzen lässt – ein kompakter Leitfaden für den Planungsalltag.
→ Zur Infografik, Lesezeit: 3 Minuten
4 Altes Papier, neue Decke
Roderick Hönig, Leitender Redakteur bei Hochparterre, besucht Acosorb in Hoofddorp bei Amsterdam und begleitet einen Monteur auf die Baustelle. Seine Reportage zeigt, wie aus recycelten Papierfasern hochabsorbierende Deckenbeschichtungen entstehen – von der Mischmaschine bis zum fertigen Sprühputz. Weiter werden vier Schweizer Projekte mit den akustischen Messdaten vorgestellt: von der Studio Bar in Zürich über die Büros von foryouandyourcustomers bis zum Holcim Campus in Zug.
→ Zum Artikel, Lesezeit: 12 Minuten
5 Material, das den Raum verschlucken kann
Zum Abschluss weitet Sabine von Fischer, Architektin und Autorin von «Das akustische Argument», den Blick. Ihr Essay zeichnet die über 100-jährige Geschichte der schallabsorbierenden Materialien nach: von den ersten Patenten in den 1920er-Jahren über die 32'000 Absorberkeile im Berliner Kriegslabor bis zum Philips-Pavillon von Le Corbusier. Eine Erzählung, die zeigt, dass das Streben nach akustischer Kontrolle immer auch ein Spiegel der jeweiligen Zeit war – und die mit einer nachdenklichen Frage endet: Wo sind die Räume, in denen eine akustische Antwort noch willkommen ist?
→ Zum Artikel, Lesezeit: 10 Minuten
Das Hochparterre Themenheft «Raum hören» kann als Printausgabe kostenlos bestellt oder als E-Paper gelesen werden.
Jonathan Möller
Als fast gehörlose Person weiss der Autor, wie entscheidend Raumakustik für einen guten Raum und für gute Gespräche ist.

