Guter Unterricht braucht gute Akustik – was die SIA 181/1 für Schulen bedeutet

Ein Klassenzimmer ist einer der anspruchsvollsten Räume, die es akustisch gibt. Dreissig Personen, eine sprechende Stimme, viele Nebengeräusche und mittendrin Kinder, die genau diese eine Stimme aus allem heraushören müssen, um zu lernen.

Wie gut das gelingt, hängt weniger vom Talent der Kinder ab als vom Raum selbst.

Ein durchschnittliches Kind in der Schweiz verbringt während der gesetzlich vorgeschriebenen Schulzeit rund 2118 Tage in der Schule.

Studien zeigen, dass ungünstige akustische Bedingungen sich stärker auf die Sprachverständlichkeit von Kindern auswirken als bei Erwachsenen, mit direkter Folge für Lernfähigkeit und schulischen Erfolg. Kindern fehlt schlicht das sprachliche Vorwissen, um Halbverstandenes automatisch zu ergänzen, wie es Erwachsene tun. Kommt eine zu lange Nachhallzeit hinzu, wird aus einem an sich verständlichen Satz ein akustisches Ratespiel.

Was die SIA 181/1 Norm konkret verlangt

Genau hier setzt SIA 181/1 an: mit klaren Zielwerten für die Nachhallzeit in Unterrichtsräumen, je nach Raumvolumen berechnet. Für ein Klassenzimmer mit rund 250 m³ Volumen liegt der Zielwert im besetzten Zustand bei etwa 0,6 Sekunden. Zum Vergleich: Ein ungedämmter Raum mit Betondecke und harten Oberflächen kommt oft auf ein Mehrfaches davon.

Niemand benotet die Akustik eines Schulzimmers. Trotzdem prägt sie jede Stunde, die darin stattfindet. SIA 181/1 macht daraus keine abstrakte Empfehlung, sondern eine überprüfbare Grösse: Ein Raum erfüllt die Norm, oder er tut es nicht.

Wer eine Schule saniert oder neu baut, entscheidet damit nicht nur über Wände und Fenster, sondern auch darüber, wie gut ein Kind seine Lehrperson in der letzten Reihe versteht.

Marino Lauber

Der Autor kennt das Problem aus eigenem Erleben: Wie viel Konzentration ein lauter Raum kostet und wie viel leichter das Zuhören in einem ruhigen wird.

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